Presseschau – Ludwigsburger Kreiszeitung vom 29.10.2019

https://www.lkz.de/bildergalerien/bildergalerie-ludwigsburg_artikel,-hier-muss-das-eckige-ins-eckige-_arid,565712.html

Artikel:

Hier muss das Eckige ins Eckige!

Wie der Tipp-Kick-Club 1971 Hirschlanden ein großes Turnierwochenende mit den besten Spielern des Jahres durchzieht

Ditzingen. Der örtliche Tipp-Kick-Club (TKC), 1971 gegründet, hat Hirschlanden zu einer Hochburg dieses Sports gemacht – bundesweit. Seit 1973 spielt der TKC in der Bundesliga, hat mehrere Mannschaftsmeisterschaften und Pokalsiege errungen, nebst einigen Einzeltiteln. Am Wochenende durfte der Verein nun bereits zum zehnten Mal die Süddeutsche Meisterschaft ausrichten, zudem die German Masters mit den 36 Top-Platzierten der Saison. Und nebenbei ist an den 20 Tischen in der Karl-Koch-Halle auch noch das traditionelle Glemsgau-Pokalturnier mit 31 Teilnehmern gelaufen.

Dass das Spiel auf dem kleinen Turniertisch mit dem grünem Filz, der ein Fußballfeld im Maßstab von 1:100 abbildet, ein Sport ist, das steht für Max Daub zweifelsfrei fest: „Ein Turniertag dauert zehn bis zwölf Stunden. Man muss bei jedem Spiel höchste Spannung halten. Auch mental. Schon von der Konzentration her kommt man ins Schwitzen.“ Ohne regelmäßiges Training im Verein gehe gar nichts. „Und zu Hause hat jeder seinen Tisch zum Üben.“

Dann wird gefeilt am Umgang mit dem zwölfeckigen Ball. Etwa daran, das hälftig in Schwarz und Weiß gehaltene Spielgerät durch raffiniertes Anschneiden „in der eigenen Farbe zu legen“. Nur dann ist man schussberechtigt. Das Ziel: „Aus jeder Position einen gefährlichen Ball aufs Tor zu bringen.“ Top-Spieler bekommen sogar einen Eckball direkt reingedreht. In der Rangliste war der 26-jährige ITler schon Zweiter, vergangenes Jahr auch deutscher Vizemeister. Er hat also klar die Spitze im Blick: „Ich will ganz nach oben.“ Der absolute Kick beim Tipp-Kickern sei „das Adrenalin, wenn es auf höchstem Niveau ganz eng wird. Wie als wir den Seriensieger Lübeck in der letzten halben Minute besiegt haben.“

Die Konkurrenz aber ist stark. Von der Ostsee bis zum Bodensee sind die 36 Top-Leute gekommen, etwa aus Kiel, Frankfurt, Berlin oder München. Als Nachrücker ist auch ein Schweizer dabei. Die Crème de la Crème der Szene also. Nur die deutsche Meisterin ist verhindert: „Bei ihr müsste man sich warm anziehen.“ Daub ist auch Turnierleiter, und gleich muss er wieder als Spieler ran. Zur Halbzeit ist er „nur halb zufrieden“. Seine Torwartleistung müsse besser werden.

In der Halle herrscht vor der nächsten Runde emsiger Betrieb. Manche sind ganz locker, plaudern und scherzen. Andere pflegen ihre Rituale der Konzentration oder gehen noch einmal ihre „Schatzkästlein“ durch. Die Köfferchen mit bis zu einem Dutzend Spielfiguren. Hochleistungsmaterial mit Scheiben- und Kugellagern in der Hüfte, damit sich der explosive Tipp auf den Knopf am Kopf möglichst effektiv in Schusskraft verwandelt. Der Mann aus Wolfsburg streichelt noch einmal kurz seine „blaue Armada“. Andere checken ihren Torwart oder sortieren ihre Figuren griffbereit zwischen Seitenlinie und Bande. Je nach Spielsituation wird zum Heber oder Bomber gegriffen.

Dann heißt es: „Zeit läuft!“ An Tisch drei und vier geht es hin und her, zweimal fünf Minuten. „Stark gehalten“, murmelt der Wolfsburger, doch schon setzt sein Münchner Kontrahent den Konter und versenkt den Ball zur Führung. Am Nebentisch läuft es gut für Daub. Er führt, und sein Keeper ist jetzt in Bestform, wehrt fünf gefährliche Eckbälle in Serie ab. Der Gegner aus Nürnberg kommt trotzdem heran, bis auf ein Tor. Dann entscheidet Daub das Match mit einem Strahl, der mit dem bloßen Auge kaum zu sehen ist. Am Ende reichte es für ihn bei den Masters für Bronze. Den Glemsgau-Pokal machen die beiden Lokalmatadoren Florian Stähle und Harald Füßinger im Finale unter sich aus, wobei Stähle nach zehn Minuten mit 5:3 die Nase vorne hat.

Autor: Georg Linsenmann